| Wie
viele Impfungen braucht die Sau? - ein modernes Gesundheitsprogramm
Viele Schweinehalter, die ihren Sauenbetrieb jahrelang ohne größere
Gesundheitsprobleme geführt haben, stehen oft über Nacht
vor plötzlich aufgetretenen Umrauschproblemen bei den Sauen,
Saugferkeldurchfall, Schnüffelkrankheit und ähnlichem.
Meist kann sich der Landwirt diese bisher noch nie dagewesenen Krankheitseinbrüche
nicht erklären. Aus unserer langjährigen klinischen Erfahrung
kann gesagt werden, dass heutzutage die Ursachen fast immer multikausal
sind. Das heißt nicht ein einzelner Krankheitserreger (Virus,
Bakterium,..) verursacht das Bestandsproblem, sondern viele Faktoren
im Schweinebetrieb gemeinsam mit einem oder mehreren Krankheitserregern
führen
erst zur Krankheitsauslösung. Die Bakterien oder Viren können
vorher bereits monate- oder jahrelang in diesem Bestand vorhanden
gewesen sein aber beispielsweise erst die Bestandsaufstockung, die
Umsiedelung in den neugebauten Stall, die Umstellung des Futterregimes,
die neueingebaute Lüftungsanlage oder eine neue Betreuungsperson
im Deckbereich können der Auslöser gewesen sein. Die Krankheit
ist eine Funktion aus dem Erreger und seiner Umwelt.
Krankheit
=¦{ Erreger, Umwelt (Haltung,
Fütterung, Management)}
Wegen dieser Komplexität der Problemstellung
sind heute völlig neue landwirtschaftliche und tierärztliche
Sicht- und Denkweisen hinsichtlich der Gesunderhaltung und der dafür
notwendigen Gesundheitsprogramme erforderlich.
Mit dem Auftreten von PRRS vor einigen Jahren und dem durch Circovirus
verursachten PMWS / PDNS sind wir mit 2 Krankheitssyndromen konfrontiert,
die bis heute noch nicht völlig wissenschaftlich aufgeklärt
sind und gegen die auch der beste Tierarzt noch kein „Pulver“
(wirksames Medikament) hat. Solche Problemfälle können
nur mehr durch ein umfassendes integratives Gesundheitsprogramm
kostengünstig und wirkungsvoll gelöst werden und vor allem
zukünftigen Einbrüchen dieser Art vorbeugen. Nicht eine
Einzelmaßnahme, wie eine Schutzimpfung, ein Futterzusatz,etc
.., sondern die gleichzeitige Korrektur aller aus dem Gleichgewicht
geratenen Einzelfaktoren im Betrieb ist dazu erforderlich.
Eine präzise Diagnostik, die neben der Erregerbestimmung vor
allem die Umwelt des Schweines (Haltung, Fütterung, Management)
sorgfältig zu analysieren hat, ist die unabdingbare Voraussetzung,
um hier überhaupt langfristig erfolgreich zu sein. Die Summe,
der daraufhin gemeinsam mit dem Landwirt festgelegten Maßnahmen,
deren Umsetzung und deren regelmäßige Erfolgskontrolle
stellt erst ein Gesundheitsprogramm dar.
Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass der Schaden von Krankheiten,
durch Leistungsausfall und ähnlichem in der Größenordnung
der 10-fachen Behandlungskosten liegt. Daraus lässt sich leicht
der Nutzen von systematischen Gesundheitsprogrammen erkennen.
Beispiel zum Inhalt eines Gesundheitsprogrammes
|
Maßnahmen |
Prüfungen zur Verlaufskontrolle |
| |
Art |
Häufigkeit |
|
Schutzimpfung der Sauen |
Blutuntersuchung auf Antikörper |
alle 4
Monate |
|
Schutzimpfung der Ferkel (Mykoplasmen) |
Tierarzt1 |
alle 4
Wochen |
|
Preweaning Programm |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Herdenführung (Wochenrhythmus) |
Sauenplanerauswertung |
alle 3
Wochen |
| Pig Flow |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Personalhygieneplan |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Reinigungs-, Desinfektionsplan (R+D) |
Abklatschproben |
alle 4
Wochen |
|
Rattenbekämpfungsplan |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Entwurmungsplan |
Kotuntersuchung |
alle 6
Monate |
|
Räudebekämpfungs- oder Sanierungsplan |
Hautgeschabsel,
Blutuntersuchung auf Antikörper |
alle 6
Monate |
Fütterungskonzept nach problembezogenen
diätetischen Gesichtspunkten |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Tiergruppenbezogene Stallklimavorgaben |
Datenlogger, Tierarzt |
alle 6
Monate |
|
Lichtprogramm im Deckzentrum |
Luxmeter |
alle 6
Monate |
Eingliederungsplan, Neuzugänge,
Jungsauenpool |
Tierarzt |
alle 3
Monate |
| KB -
Management |
Spermauntersuchung |
alle 6
Monate |
Beratung
und Wirksamkeit von Behandlungsmaßnahmen
(Arzneimittelanwendung)
gem. TGD-VO |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Bestandsscreening |
Blutuntersuchung auf Antikörper |
alle 6
Monate |
Anlage
einer Serumdatenbank von Remonten
(Kryokonservierung) |
|
1) Beurteilung der Maßnahmen
durch den Tierarzt im Zuge seiner routinemäßigen
Betriebsbesuche
Ein Fall aus der Praxis
Im Folgenden wird ein Praxisbeispiel
vorgestellt, das zeigen soll wie wichtig eine umfassende klinische
und labordiagnostische Untersuchung bei Bestandsproblemen ist.
Ferkelerzeuger H. Bäck (Name geändert) hat seinen Sauenbestand im
letzten Jahr von 60 auf 120 Sauen aufgestockt. Vor 12 Monaten wurde
ein Eber und danach keine Tiere mehr zugekauft, da die Remontierung
der Jungsauen aus der eigenen Herde erfolgt. Der Betrieb wird im
Einwochenrhythmus geführt. Es wurde ein lückenhaftes Impfprogramm
gegen Rotlauf und Parvo durchgeführt. Die Herdenleistung bezogen auf
verkaufte Ferkel bewegte sich im oberen Drittel der
Vergleichsbetriebe, der Gesundheitsstatus der Aufzuchtferkel war als
gut zu beurteilen. Mumifizierte Ferkel oder Umrauschprobleme waren
nicht aufgetreten. Im September des Vorjahres ist es plötzlich zu
Husten, Durchfall und nach einigen Wochen zu exzessiven Kümmern bei
den Absetzferkeln ab der 2. Absetzwoche gekommen ist. Die
Totalverluste in der Ferkelaufzucht schnellten auf 22%. Punktuelle
Therapieversuche gegen einzelne Krankheiten (wie Glässer´sche
Krankheit, Ödemkrankheit, Streptokokkenmeningitis) die alle bei
Einzeltieren nachgewiesen wurden, konnten trotz gewissenhaftester
Auswahl des wirksamstenMedikamentes die Verlustsrate nicht senken.
Nichts ist näher gelegen als die Verdachtsdiagnose PMWS (post
weaning multisystemic wasting syndrome – Kümmerersyndrom nach dem
Absetzen) zu stellen. Die definitive Diagnose wurde auch in einem
Speziallabor der Veterinärmedizinischen Universität Wien bestätigt.
Entmutigt durch verschiedene Berichte aus dem Ausland über den
schlechten Behandlungserfolg bei PMWS hat sich der Betrieb in einer
gewissen Schicksalsergebenheit mit dem Gedanken der
Bestandsreduktion getragen. Nun war rasches Handeln gefordert, um
wieder auf Erfolgskurs zu kommen. Umfangreiche
Bestandsuntersuchungen, sowohl klinischer als auch
labordiagnostischer Art, die nicht nur auf andere Begleitkeime
bezogen waren, sondern auch das Haltungssystem, das
Hygieneregime, den pig flow, die Fütterung und die Impfmaßnahmen
beinhalteten, brachten rasch die Schwachpunkte zu Tage.
Aufgrund des raschen Wachstums des Betriebes und der zu geringen
Zahl an Aufzuchtplätzen, konnte im Aufzuchtbereich kein
Rein-Raus-System betrieben werden, sondern es wurden kontinuierlich
die größeren Tiere aus verschiedenen Aufzuchträumen in einem
Auslieferungsstall, der ebenfalls nie ausgeleert werden konnte,
zusammengestallt. Alle Abteile des Betriebes wurden mit der
derselben Arbeitskleidung betreten. Der Schutz gegen Parvovirus
stellte sich bei der Blutuntersuchung auf Antikörper als lückenhaft
heraus. Ein aus diätetischen Gesichtspunkten zu niedriger! pH-Wert
(exzessiver Säureeinsatz + CCM) des Futters, sowie Rfa-Mangel, und
ein zu feiner Vermahlungsgrad wurden als Stressoren über das Futter
gefunden. Die Raumtemperatur in der ersten Absetzwoche schwankte oft
bis 7 °C unter dem Sollwert von 30°C. Der Betrieb war PRRS negativ.
Folgende Maßnahmen wurden mit dem Betriebsleiter
vereinbart:
· Striktes Rein-Raus der Aufzuchträume
· Einteilung des Betriebes in Hygienezonen (färbige Overalls und
Stiefeln)
Aufzuchtferkel 1. / 2. Woche - rote Zone
Aufzuchtferkel 3.- 7. Woche - blaue Zone
Abferkelstall - gelbe Zone
Deckzentrum / Wartestall - grüne Zone
Umziehen vor jedem Betreten des anderen Abteiles
· R + D Programm mit Abklatschkontrolle
· Sofortiges Entfernen der kranken Tiere aus der Gruppe
· Kein Sortieren nach dem Absetzen
· Bei Injektionen eigene Nadel für jedes Tier
· Sofortige Verbesserung der Heizung (konstante 30°C)
· Preweaning Programm bei Saugferkeln (Naxcel® /Draxxin®)
· Umstellung des Absetzfutter (4% Rfa, Erhöhung der Korngröße) –
Vitacel® Einsatz
· Verbesserung der Wasserversorgung der Ferkeln
· Lückenlose Parvoimpfung der Sauen
· mind. 0,3 m² pro Ferkel beim Absetzen !!! – sehr wichtig zur
Stressvermeidung
Das konsequente Umsetzen aller vereinbarten
Schritte innerhalb einiger Woche durch den Betriebsleiter hat zu
einer schlagartigen Verbesserung der Leistungen (Verkürzung der
Aufzuchtzeit um 2 Wochen) und zu einer Ausfallsrate im Normbereich
geführt.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass Bestände gesund sein können,
obwohl verschiedene
Krankheitserreger darin vorkommen, wenn die Umwelt in Ordnung ist.
Es zeigt auch, dass die traditionellen tierärztlichen
Therapiemaßnahmen, die auf eine klar definierte Krankheit abgezielt
haben, nur einen kleinen Teil, der zur Problemlösung erforderlichen
Maßnahmen, ausmachen.
Innere Organisation eines Sauenbetriebes
Der professionelle Schweinehalter ist bestrebt,
gesunde Ferkeln in großen Partien bei effektiver Stallplatzbelegung
und rationellsten Arbeitseinsatz zu erzeugen. Dazu gibt es einige
erfolgsbestimmende Faktoren:
· Gesundheit durch konsequentes Rein-Raus
· Effektive Nutzung der teuren Abferkelplätze
· Bündelung von Arbeiten zur Erhöhung der Arbeitswirtschaftlichkeit
· Große Ferkelpartien durch große Abferkelgruppen
· Je größer die Sauenherde, desto enger der Wochenrhythmus ( 1
Wochenrhythmus ab
500 Zuchtsauen)
Deshalb setzen sich immer mehr Herdenführungssysteme im
Wochenrhythmus (Ein-, Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfwochenrhythmus)
gegenüber den kontinuierlichen Produktionssystemen durch, die jedoch
höhere Anforderungen an das Management stellen.
Vor-/Nachteile von Rhythmussystemen
| Vorteile |
Nachteile |
| Erhöhung der Arbeitseffektivität |
Schlechte Platznutzung der Abferkelabteile |
| Verbesserte Hygiene durch Zwang zum
Rein-Raus |
Manchmal hohe Arbeitsspitzen |
| Durchbrechung von Infektionsketten |
Zerfall der Gruppen bei Umrauschern |
| Angepasste Klimaführung durch gleichaltrige
Ferkel |
Zwang zur KB |
| Leichtere Umsetzung systematischer
Impfprogramme |
Termingenaue JS-Eingliederung |
| Wurfausgleich kann leichter praktiziert
werden |
|
| Gute Eingliederung umrauschender Sauen (3 WR) |
|
| Leichtere Einplanung sonstiger Arbeiten |
|
| Bessere Rausche der Sauen in Gruppen |
|
Effizienteres Deckmanagement
(Hofabsamung ?) |
|
Zusammenfassend kann deutlich gesagt werden,
dass sich die Rhythmussysteme neben der arbeitsorganisatorischen und
hygienischen Verbesserungen, vorallem wegen der deutlichen
wirtschaftlichen Vorteile in der spezialisierten Ferkelproduktion
durchsetzen werden. Beim Übergang vom kontinuierlichen System in
einen Wochenrhythmus ist in jedem Fall der Tierarzt, aufgrund seiner
praktischen Kenntnis der einzelnen Systeme und seiner Erfahrung mit
dem Einsatz biotechnischer Maßnahmen zur Zyklussteuerung, als
Berater mit einzubinden.
Wieviele Impfungen braucht die Sau?
Ein für alle Betriebe gültiges Standardprogramm
lässt sich nur mit größter Vorsicht erstellen und kann aus Gründen
der fachlichen Sinnhaftigkeit nur ein Minimalprogramm sein.
Zusätzlich muss man sich bei allen Schutzimpfungen darüber klar
sein, dass trotz korrekter Verabreichung seltenst 100% der Tiere
einen belastungsfähigen Impfschutz aufbauen, da einzelne Tiere eine
schlechte oder gar keine Immunantwort zeigen. Dies wird auch durch
Krankheit oder Parasitenbefall der Tiere beeinflusst. Daher sollte
einer wirksamen Impfung eine sorgfältige Entwurmung und Enträudung
vorausgehen. Jeder Sauenbetrieb ab einer Größe von 10 Zuchtsauen
sollte ein solches Basisgesundheitsprogramm im Sinne einer
wirkungsvollen Krankheitsvorbeuge durchführen. Dabei ist bei
Jungsauen im Alter von 22 Wochen nach vorangegangener Entwurmung und
Räudebehandlung die 1. Grundimmunisierung gegen Rotlauf und Parvo
durchzuführen, wobei die Auffrischungsimpfung 3 Wochen später
erfolgen muss. Im Sinne einer wirtschaftlichen Risikobewertung und
einer sachlichen Kosten/Nutzenanalyse
sollten bei der heutigen epidemiologischen Gesamtsituation
Impflücken in jedem Fall vermieden werden.
Sollten die Jungsauen selbst aufgezogen werden, so sind sie in der
8. Lebenswoche das erstemal gegen Rotlauf zu impfen, was in
spezialisierten JS-Vermehrerbetrieben seit Jahren Standard ist. Die
Unterlassung dieser frühen Rotlaufschutzimpfung kann zu chronischen
Gelenksentzündungen mit therapieresistenten Lahmheiten bei JS oder
Jungebern führen.
Die Altsauen sind zyklusorientiert in der Säugezeit gegen Rotlauf
und Parvo zu impfen, da in dieser Phase die beste Schutzwirkung
rechtzeitig vor der nächsten Belegung erricht werden kann.
Zusätzlich hat dieser Impfzeitpunkt den Vorteil, dass einerseits zur
Ausscheidung vorgesehene Sauen bereits ausselektiert sind und nicht
mehr mitgeimpft werden müssen und andererseits Nebenwirkungen
verschiedener Impfungen wie Fieberschübe bei Sauen mit „leerer
Gebärmutter“ keine verlustreichen Aborte verursachen können. Jede
Schutzimpfung stellt eine Stresssituation für das Tier dar, und kann
neben lokale Schwellungen, allergische Reaktionen oder Aborte
verursachen, in der Praxis sind schwere Nebenwirkungen jedoch
selten. Es stehen heute eine Vielzahl von Impfstoffen zum Einsatz
gegen verschiedene Schweinekrankheiten zur Verfügung.
Jeder Impfmaßnahme über das Standardprogramm hinaus soll neben der
Beurteilung der
Gesundheitssituation im Betrieb eine serologische Blutuntersuchung,
oder abhängig von der jeweiligen Krankheit, die geeignete Diagnostik
(z.B. Schnüffelkrankheit – Nasentupfer, Leptospirose –
Dunkelfeldmikroskopie des Harnes, Influenza – Sektion,
Immunfluoreszenz) zur Absicherung der Notwendigkeit vorangehen. Bei
der Blutuntersuchung ist vor allem abzuklären, ob Tiere mit hohem
und niedrigen oder gar keinen Antikörpertiter zur gleichen Zeit in
einem Bestand vorkommen. Solche Bestände werden als „instabil“
bezeichnet und müssen als besonders gefährdet und zugleich
impfwürdig angesehen werden. Um Impflücken zu vermeiden und
größtmöglichen Schutz zu bieten müssen Impfprogramme konsequent
durchgeführt werden.
Wird beispielsweise in einem Bestand eine Muttertierschutzimpfung
gegen Colidurchfall und gegen Schnüffelkrankheit durchgeführt, so
soll die Verabreichung, um nicht wiederholten Stress zu verursachen,
zum gleichen Zeitpunkt an unterschiedlichen Ínjektionstellen
erfolgen. Dabei können auch mehrere Impfungen ohne
Wirksamkeitsverlust oder wesentliche Nebenwirkungen verabreicht
werden.
Zur Vermeidung einer Krankheitsübertragung innerhalb eines Bestandes
von Tier zu Tier ist regelmäßig die Nadel zu wechseln. Moderne CO2 -
betriebene nadellose Injektoren, die wir gerade im Praxistest haben,
werden diesen Aufwand in naher Zukunft überflüssig machen.

In regelmäßigen Abständen, jedoch spätestens
alle 4 Monate ist durch serologische Antikörperuntersuchungen der
Impferfolg zu kontrollieren. Solche Seroprofile geben eine gute
Übersicht über den Schutz einer Sauenherde.
Da wir noch nie schwere Influenzaausbrüche in sorgfältig geimpften
Herden erlebt haben, ist dieInfluenzaimpfung anzuraten.
Organisation von Tierarztbesuchen
Sowohl die geltenden Rechtsvorschriften der
Tiergesundheitsdienstverordnung, als auch die tatsächlichen
Erfordernisse eines leistungsfähigen Ferkelerzeugers machen
heutzutage mindestens einmal monatlich einen Tierarztbesuch
erforderlich. Der Gesetzgeber fordert, dass der Tierarzt spätestens
4 Wochen nach einer Behandlung den Erfolg der Behandlung zu
kontrollieren hat, damit es nicht wie in anderen Ländern bereits
vorgekommen ist zum Übersehen und Verschleppen von
anzeigepflichtigen Tierseuchen (Schweinepest, MKS,...) zum Schaden
der gesamten Produktion kommen kann.
Die Schweinegruppe der Tierklinik St.Veit, die selbst nach ISO 9000
zertifiziert ist, führt bereits seit Jahren mit Spitzenbetrieben ein
Qualitätssicherungsprogramm (QS-Schwein®) in der Bestandsbetreuung
durch, das darin besteht, dass ein spezialisierter Schweinetierarzt
dem Produktionsrhythmus angepasst (z.B. alle 3 Wochen in der
Abferkelwoche im 3-Wochenrhythmus) den Betrieb besucht. Ein kurzes
telefonisches Aviso einen Tag vor dem vereinbarten Termin durch den
Tierarzt machen es sowohl dem Landwirt, (Vorabübermittlung der
Sauenplanerauswertung per Fax), als auch dem Tierarzt (Auswertung
der Daten zu Hause, Studium der Laborberichte,...) möglich sich gut
auf den Besuch vorzubereiten. Alle Tierärzte sind im Praxisauto mit
einem Notebook an dem ein Laserdrucker angeschlossen ist,
ausgestattet, was es ihnen möglich macht auf alle vorhandenen
Betriebsdaten sofort zuzugreifen und notwendige Dokumente
(Merkblätter, Pläne, Laborberichte, Behandlungsanweisungen,
Bilder,...) auch vor Ort auszudrucken.
Anlässlich dieses Besuches bei dem vom Tierarzt im Zuge eines
Betriebsrundganges der Erfolg und die Umsetzung der Maßnahmen vom
letzten Besuch gemeinsam mit dem Landwirt besprochen werden und
neuaufgetretene Probleme aufgearbeitet werden, werden auch die
Trächtigkeitsuntersuchungen mittels Scanner, sowie alle notwendigen
Sauenimpfungen (auch termingerechte Impfungen der Jungsauen) und die
gesetzlich vorgeschriebenen Aufzeichnungen hinsichtlich der
Diagnosestellung, der Nachbehandlung und der Kontrolle des
Behandlungserfolges durchgeführt werden. Weiters wird bereits der
Termin für den nächsten Besuch vereinbart. Die gesetzlich
verordneten SGD- Pflichtbesuche können sehr einfach in diesen
Rhythmus eingebaut werden und erfordern keinen zusätzlichen Aufwand
für Landwirt und Tierarzt. Vor allem die Miterledigung der
Scanneruntersuchungen durch den Tierarzt wurde von den Landwirten
sehr begrüßt, da durch die Vermeidung der Extrabesuche eines
Scannerdienstes nicht nur an der ohnedies knapp vorhandenen Zeit des
Landwirtes gespart werden konnte, sondern es ist auch ein
wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Biosicherheit der Betriebe
gekommen, die damit einer betriebsfremden Person weniger Zutritt in
den Stall gewähren müssen.
Diese systematische Vorgehensweise, die ein partnerschaftliches
Verhältnis zwischen Tierhalter und Tierarzt voraussetzt, macht es
möglich, dass zu einem äußerst günstigen Preis die sachgerechte
Durchführung aller Gesundheitsmanagementmaßnahmen (Check der
festgelegten Kontrollpunkte, Probenentnahmen, Erstellung von
Maßnahmenplänen, Impfungen, Operationen) und die vollständige
Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Tierarztbesuche
sichergestellt werden kann. Die Dokumentation aller dieser Maßnahmen
auf Betriebsebene erfolgt im einheitlich angelegten QS-Schwein®
Handbuch.
Die deutliche Verbesserung der Produktions- und Ertragsleistung
dieser Betriebe durch Erreichung eines höheren Gesundheitsstatus
führt dazu, dass sich immer mehr Betriebe diesem
Qualitätssicherungssystem anschließen. Eine wesentlichen Vorteil des
QS-Schwein® sehen die Betriebe auch in der Sicherheit bei
Behördenkontrollen und bei Reklamationen im Tierverkauf.
Das Ende der Feuerwehrpraxis ?!
Mit fortschreitender Steigerung der
Betriebsleiterqualifikation, an der auch die Beratungskreise der
Landwirtschaftskammern (z.B. SBS) wesentlichen Anteil haben, geht
der Anteil an akuten Notfällen in der Schweinepraxis immer weiter
zurück. Als Beispiele können angeführt werden, dass durch eine
problembezogene Fütterungsberatung und bedarfsgerechte
Rationsgestaltung das Auftreten des oft mit hohen
Saugferkelverlusten einhergehenden MMA-Komplexes in gut betreuten
Betrieben praktisch vollständig verschwunden ist. Dasselbe gilt für
Ödemkrankheit oder Saugferkeldurchfall. Dieser Wandel bringt es mit
sich, dass diese Betriebe ganz im Sinne moderner
Lebensmittelproduktion mehr in krankheitsverhütende und
qualitätssichernde Maßnahmen investieren, was auch für den
tierärztlichen Berufsstand eine neue Herausforderung darstellt.
Verfasser:
Dr. Wolfgang Schafzahl, Leiter der Tierklinik St.Veit
Fachtierarzt f. Ernährung und Diätetik
Fachtierarzt f. Schweine
Wagendorf 120
A-8423 St.Veit
Tel 03453 /4190
Fax 03453 /4190 22
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