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PRRS und Circovirus in der Ferkelproduktion
– Mögliche Strategien am Einzelbetrieb unter Bedachtnahme unserer
Betriebs- und Vermarktungsformen
Viele
Schweinehalter, die ihren Sauenbetrieb jahrelang ohne größere
Gesundheitsprobleme geführt haben, stehen oft über Nacht vor
plötzlich aufgetretenen Umrauschproblemen bei den Sauen,
Saugferkeldurchfall, Schnüffelkrankheit und ähnlichem. Meist kann
sich der Landwirt diese bisher noch nie da gewesenen
Krankheitseinbrüche nicht erklären. Aus unserer langjährigen
klinischen Erfahrung kann gesagt werden, dass heutzutage die
Ursachen fast immer multikausal sind. Das heißt nicht ein einzelner
Krankheitserreger (Virus, Bakterium,..) verursacht das
Bestandsproblem, sondern viele Faktoren im Schweinebetrieb gemeinsam
mit einem oder mehreren Krankheitserregern führen erst zur
Krankheitsauslösung. Die Bakterien oder Viren können vorher bereits
monate- oder jahrelang in diesem Bestand vorhanden gewesen sein aber
beispielsweise erst die Bestandsaufstockung, die Umsiedelung in den
neugebauten Stall, die Umstellung des Futterregimes, die
neueingebaute Lüftungsanlage oder eine neue Betreuungsperson im
Deckbereich können der Auslöser gewesen sein. Die Krankheit ist eine
Funktion aus dem Erreger und seiner Umwelt.
Krankheit
=¦{
Erreger, Umwelt
(Haltung, Fütterung, Klima,
Management)}
Wegen
dieser Komplexität der Problemstellung sind heute völlig neue
landwirtschaftliche und tierärztliche Sicht- und Denkweisen
hinsichtlich der Gesunderhaltung und der dafür notwendigen
Gesundheitsprogramme erforderlich.
Die
Frage warum es überhaupt notwendig ist Bestände gesund zu erhalten,
erklärt sich neben der ethischen Verantwortung des Tierhalters vor
allem damit, dass gesunde Bestände, in denen wenige
Krankheitserreger vorkommen leistungsfähiger sind, weil weniger
Nährstoffe für das Immunsystem verbraucht werden und deshalb dem
Tier für Leistung (Muskelansatz, Milch,..) zur Verfügung stehen. Bei
einem Krankheitsausbruch nimmt die Proteinbildung ab und der
Proteinverbrauch zu.
Dieses
Gleichgewicht wir im Wesentlichen von 3 Umständen beeinflusst.
-
Die
Futteraufnahme sinkt und der Aminosäurenverbrauch für die
Krankheitsabwehr übersteigt die Zufuhr über die Nahrung.
-
Aminosäuren
werden zur Antikörperbildung gebraucht und führen zu Muskelabbau
und auch zum Gewebsabbau im Verdauungstrakt
-
Überproportionaler Abbau von Muskelgewebe zur Krankheitsabwehr
ist nötig, da die Muskelzusammensetzung nicht jener der
Antikörper entspricht.
In
dieser kritischen Stoffwechsellage, werden neben dem Eiweiß auch
Fettreserven abgebaut, um die für den Abwehrkampf notwendige Energie
zur Verfügung zu stellen.
Diese
Zusammenhänge können heute bereits recht gut quantitativ erfasst
werden, und es ist gesichert, dass die Elimination der Krankheiten
der Typen 1-3 der Tabelle mit einer Verbesserung der täglichen
Zunahmen und der Futterverwertung einhergehen. Weiter
wirtschaftliche Effekte liegen darin, dass neben höheren
Magerfleischanteilen auch die Umtriebe in Aufzucht und Mast erhöht
werden können.
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Klassen |
Kontrollmöglichkeit |
Krankheiten |
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Typ 1 |
Sofort,
einfach sanierbar ! |
Actinobacillus
pleuropneumonia |
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Schweinedysenterie |
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Läuse, Räude |
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Typ 2 |
Höherer
finanzieller Aufwand bei Sanierung |
PRRS |
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Mycoplasma
hyopneumonia |
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Typ 3 |
Schwierig, teuer, |
Salmonella
cholerasuis |
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Ileitis (PIA) |
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Reinfektion wahrscheinlich |
Schweine
Influenzavirus |
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Hämophilus
parasuis |
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Streptococcus suis |
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Typ 4 |
Gesetzlicher Druck zur Sanierung |
Humanpathogene
Erreger: |
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z.B. Salmonella
DT104 |
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Dial,
G., Rademacher, C., Wiseman, B., Roker, J., and Freking, B. 2002.
Costs, consequences and control
of endemic diseases. Proceedings of
the London Swine Conference. April
11-12, 2002.
Wie ist ein Gesundheitsprogramm für Sauen effizient zu organisieren
insbesondere was Impfungen betrifft ?
Mit dem
Auftreten von PRRS vor einigen Jahren und dem durch Circovirus
verursachten PMWS / PDNS sind wir mit 2 Krankheitssyndromen
konfrontiert, die bis heute noch nicht völlig wissenschaftlich
aufgeklärt sind und gegen die auch der beste Tierarzt noch kein
„Pulver“ (wirksames Medikament) hat. Solche Problemfälle können nur
mehr durch ein umfassendes integratives Gesundheitsprogramm
kostengünstig und wirkungsvoll gelöst werden und vor allem
zukünftigen Einbrüchen dieser Art
vorbeugen. Nicht eine Einzelmaßnahme, wie eine Schutzimpfung, ein
Futterzusatz,etc .., sondern die gleichzeitige Korrektur aller aus
dem Gleichgewicht geratenen Einzelfaktoren im Betrieb ist dazu
erforderlich.
Dabei
hat ein Grundsatz zu gelten: Kontrolliere immer die
Sekundärinfektionen und du ziehst dem Primärerreger, auch wenn er
nicht direkt bekämpft werden kann, die Zähne.
Eine
präzise Diagnostik, die neben der Erregerbestimmung vor allem die
Umwelt des Schweines (Haltung, Fütterung, Management) sorgfältig zu
analysieren hat, ist die unabdingbare Voraussetzung, um hier
überhaupt langfristig erfolgreich zu sein. Die Summe, der daraufhin
gemeinsam mit dem Landwirt festgelegten Maßnahmen, deren Umsetzung
und deren regelmäßige Erfolgskontrolle stellt erst ein
Gesundheitsprogramm dar.
Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass der Schaden von
Krankheiten, durch Leistungsausfall und ähnlichem in der
Größenordnung der 10-fachen Behandlungskosten liegt. Daraus lässt
sich leicht der Nutzen von systematischen Gesundheitsprogrammen,
erkennen.
Beispiel zum Inhalt eines Gesundheitsprogrammes:
|
Maßnahmen |
Prüfungen
zur Verlaufskontrolle |
|
|
Art |
Häufigkeit |
|
Schutzimpfung der Sauen |
Blutuntersuchung auf Antikörper |
alle 4
Monate |
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Schutzimpfung der Ferkel (Mykoplasmen) |
Tierarzt1 |
alle 4
Wochen |
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Preweaning Programm |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
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Herdenführung (Wochenrhythmus) |
Sauenplanerauswertung |
alle 3
Wochen |
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Pig Flow |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
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Personalhygieneplan |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
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Reinigungs-, Desinfektionsplan (R+D) |
Abklatschproben |
alle 4
Monate |
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Rattenbekämpfungsplan |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
|
Entwurmungsplan |
Kotuntersuchung |
alle 6
Monate |
|
Räudebekämpfungs- oder Sanierungsplan |
Hautgeschabsel, Blutuntersuchung auf Antikörper |
alle 6
Monate |
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Fütterungskonzept nach problembezogenen diätetischen
Gesichtspunkten |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
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Tiergruppenbezogene Stallklimavorgaben |
Datenlogger, Tierarzt |
alle 6
Monate |
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Lichtprogramm im Deckzentrum |
Luxmeter |
alle 6
Monate |
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Eingliederungsplan, Neuzugänge, Jungsauenpool |
Tierarzt |
alle 3
Monate |
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KB -
Management |
Spermauntersuchung |
alle 6
Monate |
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Beratung
und Wirksamkeit von Behandlungs-maßnahmen
(Arzneimittelanwendung)
gem.
TGD-VO |
Tierarzt |
alle 4
Wochen |
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Bestandsscreening |
Blutuntersuchung auf Antikörper |
alle 6
Monate |
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Anlage
einer Serumdatenbank von Remonten
(Kryokonservierung) |
Beurteilung paariger Serumproben oder zur Abklärung
epidemiologischer Zusammenhänge |
1) Beurteilung der
Maßnahmen durch den Tierarzt im Zuge seiner routinemäßigen
Betriebsbesuche
Das
PRRS Virus
Die Infektion mit dem PRRSV erfolgt vor allem nasal und oral. Wobei
es bereits 12 Std. nach der Virusaufnahme zum Auftreten des Virus im
Blut kommt, wo es bis zu 30 Tage verbleiben kann. Die
Virusvermehrung findet hauptsächlich in der Lunge (Alveolarmakrophagen)
statt. Die Ausscheidung erfolgt über Speichel, Harn, Kot, Samen.
Außerhalb des Tieres kann es mehrere Tage infektiös bleiben.
Die wichtigsten klinischen Symptome bei Sauen sind:
-
Verferkeln in der Spätträchtigkeit ( 80. –110. Trächtigkeitstag)
-
Übertragen bis 120 . Trächtigkeitstag
-
Geburt, toter, lebensschwacher oder mumifizierter (50.-70. TT)
Ferkeln
-
Vermehrtes Umrauschen (> 25%)
Das Circovirus (PCV 2)
Das PCV 2 ist weltweit vorhanden und es kann sowohl in gesunden als
auch in kranken Tieren nachgewiesen werden. Verschiedene Faktoren,
die zur Auslösung der verschiedenen Krankheitsbilder führen sollen,
wie Koinfektionen mit Parvovirus, PRRSV oder Mykoplasma
hyopneumoniae, werden diskutiert. Ebenso der Einfluss von Impfungen,
Genetik und Umwelt.
Verschiedene PCV 2 assoziierte Syndrome werden heute unterschieden:
-
Post-weaning multisystemic wasting Syndrome (PMWS)
-
Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome (PDNS)
-
PCV 2-assoziierte Fruchtbarkeitsstörungen
-
PVC 2-assoziierte proliferative, nekrotisierende Pneumonie (PNP)
-
PCV 2-assoziierte Enteritis
-
PCV 2-assoziierter Congenitaler Tremor u. ZNS Erkrankungen
-
PCV 2-assoziierte Perinatale Myocarditis bei Ferkeln
Im Ferkelproduktionsbetrieb sind vor allem das
Post-weaning multisystemic wasting Syndrome (PMWS) oder deren Folgen
von Bedeutung, sowie das Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome
(PDNS), welches in letzter Zeit in Österreich immer häufiger in oft
gesunden frohwüchsigen Mastschweinegruppen meist vereinzelt
auftritt. Bisher waren eher Absetzferkel von diesem
Krankheitssyndrom betroffen. Ebenso bedeutungsvoll sind PCV
2-assoziierte Fruchtbarkeitsstörungen sowie
PCV 2-assoziierter Congenitaler Tremor u. ZNS Erkrankungen, PCV
2-assoziierte Perinatale Myocarditis bei Ferkeln.
Entscheidend für die Diagnose PMWS (SORDEN, 2000) ist es, dass 3
Kriterien zugleich zutreffen müssen, um diese Diagnose zu stellen:
-
Klinischer
Befund: Kümmern, Atemnot, Gelbsucht, Durchfall
-
Pathohistologie:
Lymphozytendepletion
-
Virusnachweis
in Typischen Läsionen: in situ Hybridisierung
Der
Nachweis von Circovirus allein reicht für die Diagnose PMWS nicht
aus, da Circovirus auch in gesunden Schweinen vorkommt.
Maßnahmenplan gegen PMWS / PDNS
Abferkeln
-
Konsequentes
Rein-Raus, R + D (Reinigung, Desinfektion ) Programm mit
Abklatschkontrolle
-
Waschen der
Sauen vor dem Einstallen
-
Parasitenbehandlung der Sauen vor der Einstallung
-
Ferkelversetzen
wenn nötig, dann nur innerhalb der ersten 24 Std.
· Preweaning Programm bei Saugferkeln (zB
Excenel RTU®, Draxxin®)
Es
handelt sich um eine metaphylaktische Maßnahme. Nach sorgfältiger
bakteriologischer Untersuchung und Empfindlichkeitsprüfung wird eine
Inlektionsbehandlung der Saugferkel mit einem Antibiotikum vor dem
erwarteten Zeitpunkt der Besiedelung der Schleimhäute durch den
Erreger durchgeführt. Solche Programme werden zur erfolgreichen
Bekämpfung von Schnüffelkrankheit, Streptokokkengelenks- oder
Gehirnhautentzündungen zur Verhinderung der Glässer´schen Krankheit
(Hämophilus parasuis). Die erste Behandlung wird in den ersten
Lebenstagen durchgeführt, die Zahl und der Zeitpunkt der weiteren
Injektionen richtet sich nach der Art des Programmes. Der Erfolg der
Maßnahme liegt in der Stärkung der Widerstandskraft der Tiere, durch
Verhinderung bakterieller Infektionen, die damit ihr Immunsystem
verstärkt zur Abwehr antibiotisch nicht bekämpfbarer
Virusinfektionen (Circovirus, ... ) einsetzen können.
Absetzen
-
Kleine Buchten
(max. 30 Ferkeln) mit dichten Trennwänden
· Konsequentes Rein-Raus, Reinigung, Desinfektion
-
Belegdichte:
max. 3 Ferkel / m²
· Fressplatzbreite: mind. 7 cm / Ferkel
· Gutes Stallklima
· Kein Sortieren der Ferkel, während der
Aufzucht
· Qualitativ hochwertiges Futter mit
mind. 4 % Rfa
Vormast / Mast
-
Kleine Buchten
mit dichten Trennwänden
-
Konsequentes
Rein-Raus, Reinigung, Desinfektion
-
Kein
Umsortieren in der Mast
· Belegdichte : mind. 0,75 m²
· Gutes Stallklima
Allgemein
-
Einteilung des
Betriebes in Hygienezonen (färbige Overalls und
Stiefeln)
Umziehen vor jedem Betreten des anderen Abteiles im
entsprechenden
Hygienepunkt.
· Lückenlose Impfprogramme ( Parvo,...)
mit serologischer Erfolgskontrolle
· Konsequente Kontrolle der bakteriellen
Begleitinfektionen
o Schnüffelkrankheit, Hämophilus parasuis,
Streptococcus suis Typ 2, Durchfallerreger
· Hygiene bei zootechnischen Maßnahmen
o Kastration, Tätowieren, Impfungen,
Zähneschleifen,..
· Bedarfsgerechte Rezepturgestaltung
(Vitamine, ...)
· Sichere und hygienische
Wasserversorgung
· Sofortiges Aussortieren der Kümmerer in
Isolationsstall (sehr wichtig !!)
· Bei Injektionen eigene Nadel für jedes
Tier oder nadellose Injektoren
Das
konsequente Umsetzen aller vereinbarten Schritte innerhalb einiger
Woche führt in der Regel zu einer schlagartigen Verbesserung der
Leistungen (Verkürzung der Aufzuchtzeit um 2 Wochen) und zu einer
Ausfallsrate im Normbereich. Es ist in dieser Frage dringend davor
abzuraten nur einzelne ausgewählte Maßnahmen aus dem PMWS/PDNS
Maßnahmenplan umzusetzen, da wir nicht sicher abschätzen können,
welcher Faktor im jeweiligen Einzelfall die größte Bedeutung
besitzt. Die sofortige sorgfältige Umsetzung aller Maßnahmen bringt
den größten Erfolg und ist auch am wirtschaftlichsten. Lassen Sie
das Herumdoktern mit Wundermitteln, es kostet nur Geld.
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass Bestände gesund sein können,
obwohl verschiedene Krankheitserreger darin vorkommen, wenn die
Umwelt in Ordnung ist. Es zeigt auch, dass die traditionellen
tierärztlichen Therapiemaßnahmen, die auf eine klar definierte
Krankheit abgezielt haben, nur einen kleinen Teil, der zur
Problemlösung erforderlichen Maßnahmen, ausmachen.
Innere Organisation eines Sauenbetriebes
Der
professionelle Schweinehalter ist bestrebt, gesunde Ferkeln in
großen Partien bei effektiver Stallplatzbelegung und rationellsten
Arbeitseinsatz zu erzeugen. Dazu gibt es einige erfolgsbestimmende
Faktoren:
-
Gesundheit
durch konsequentes Rein-Raus
-
Effektive
Nutzung der teuren Abferkelplätze
-
Bündelung von
Arbeiten zur Erhöhung der Arbeitswirtschaftlichkeit
-
Große
Ferkelpartien durch große Abferkelgruppen
-
Je größer die
Sauenherde, desto enger der Wochenrhythmus
Deshalb
setzen sich immer mehr Herdenführungssysteme im Wochenrhythmus
(Ein-, Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfwochenrhythmus) gegenüber den
kontinuierlichen Produktionssystemen durch, die jedoch höhere
Anforderungen an das Management stellen.
Vor-/Nachteile
von Rhythmussystemen
|
Vorteile |
Nachteile |
|
Erhöhung
der Arbeitseffektivität |
Schlechte
Platznutzung der Abferkelabteile |
|
Verbesserte Hygiene durch Zwang zum Rein-Raus |
Manchmal
hohe Arbeitsspitzen |
|
Durchbrechung von Infektionsketten |
Zerfall
der Gruppen bei Umrauschern |
|
Angepasste Klimaführung durch gleichaltrige Ferkel |
Zwang zur
KB |
|
Leichtere
Umsetzung systematischer Impfprogramme |
Termingenaue JS-Eingliederung |
|
Wurfausgleich kann leichter praktiziert werden |
|
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Gute
Eingliederung umrauschender Sauen (3 WR) |
|
|
Leichtere
Einplanung sonstiger Arbeiten |
|
|
Bessere
Rausche der Sauen in Gruppen |
|
|
Effizienteres Deckmanagement (Hofabsamung ?) |
|
Zusammenfassend
kann deutlich gesagt werden, dass sich die Rhythmussysteme neben der
arbeitsorganisatorischen und hygienischen Verbesserungen, vorallem
wegen der deutlichen wirtschaftlichen Vorteile in der
spezialisierten Ferkelproduktion durchsetzen werden. Beim Übergang
vom kontinuierlichen System in einen Wochenrhythmus ist in jedem
Fall der Tierarzt, aufgrund seiner praktischen Kenntnis der
einzelnen Systeme und seiner Erfahrung mit dem Einsatz
biotechnischer Maßnahmen zur Zyklussteuerung, als Berater
mit einzubinden.
Wieviele Impfungen braucht die Sau?
Das Wissen über
Impfungen beim Schwein wächst rasant und beträchtliche Fortschritte
sind in den letzen Jahren auf diesem Gebiet gemacht worden. Trotzdem
muss klar zum Ausdruck gebracht werden, dass Impfungen kein Mittel
sind, um Mängel in Hygiene, Fütterung, Klima, Management und
Biosicherheit. Der durchschlagende Erfolg von Impfmaßnahmen stellt
sich in viel häufiger in Spitzenbetrieben ein. Das Immunsystem ist
sehr empfindlich auf Stressfaktoren wie Mangelernährung (Vitamine,
Mineralstoffe,..) und hoher Keimdruck in kontinuierlichen
Betriebssystemen. Das heißt im Klartext: Guter Impfschutz nur im
hygienisch einwandfreien Betrieb. Ein häufiges Beispiel dafür ist
die Erfolglosigkeit der Mykoplasmenimpfung im klinisch positiven
Rhinitisbetrieb.
Ein für alle
Betriebe gültiges Standardprogramm lässt sich nur mit größter
Vorsicht erstellen und kann aus Gründen der fachlichen
Sinnhaftigkeit (z.B. Warum sollte man gegen Schweineinfluenza
impfen, wenn man damit keine Probleme zu erwarten sind?) nur ein
Minimalprogramm sein. Zusätzlich muß man sich bei allen
Schutzimpfungen darüber klar sein, dass trotz korrekter
Verabreichung seltenst 100% der Tiere einen belastungsfähigen
Impfschutz aufbauen, da einzelne Tiere eine schlechte oder gar keine
Immunantwort zeigen. Dies wird auch durch Krankheit oder
Parasitenbefall der Tiere beeinflusst. Daher sollte einer wirksamen
Impfung eine sorgfältige Entwurmung und Enträudung vorausgehen.
Jeder
Sauenbetrieb ab einer Größe von 10 Zuchtsauen sollte ein solches
Basisgesundheitsprogramm im Sinne einer wirkungsvollen
Krankheitsvorbeuge durchführen. Dabei ist bei Jungsauen im Alter von
22 Wochen nach vorangegangener Entwurmung und Räudebehandlung die 1.
Grundimmunisierung gegen Rotlauf und Parvo durchzuführen, wobei die
Auffrischungsimpfung 3 Wochen später erfolgen muß. Im Sinne einer
wirtschaftlichen Risikobewertung und einer sachlichen
Kosten-/Nutzenanalyse sollten bei der heutigen epidemiologischen
Gesamtsituation Impflücken in jedem Fall vermieden werden.
Sollten die
Jungsauen selbst aufgezogen werden, so sind sie in der 10.
Lebenswoche das erstemal gegen Rotlauf zu impfen, was in
spezialisierten JS-Vermehrerbetrieben seit Jahren Standard ist. Die
Unterlassung dieser frühen Rotlaufschutzimpfung kann zu chronischen
Gelenksentzündungen
mit
therapieresistenten Lahmheiten bei JS oder Jungebern führen.
Die Altsauen sind
zyklusorientiert in der Säugezeit gegen Rotlauf und Parvo zu impfen,
da in dieser Phase die beste Schutzwirkung rechtzeitig vor der
nächsten Belegung erricht werden kann.. Zusätzlich hat dieser
Impfzeitpunkt den Vorteil, dass einerseits zur Ausscheidung
vorgesehene Sauen bereits ausselektiert sind und nicht mehr
mitgeimpft werden müssen und andererseits Nebenwirkungen
verschiedener Impfungen wie Fieberschübe bei Sauen mit „leerer
Gebärmutter“ keine verlustreichen Aborte verursachen können. Jede
Schutzimpfung stellt eine Stresssituation für das Tier dar, und
kann neben lokale Schwellungen, allergische Reaktionen oder Aborte
verursachen, in der Praxis sind schwere Nebenwirkungen jedoch
selten.
Es stehen heute
eine Vielzahl von Impfstoffen zum Einsatz gegen verschiedene
Schweinekrankheiten zur Verfügung.
Jeder
Impfmaßnahme über das Standardprogramm hinaus soll neben der
Beurteilung der Gesundheitssituation im Betrieb eine serologische
Blutuntersuchung, oder abhängig von der jeweiligen Krankheit, die
geeignete Diagnostik (z.B. Schnüffelkrankheit – Nasentupfer,
Leptospirose – Dunkelfeldmikroskopie des Harnes, Influenza –
Sektion, Immunfluoreszenz) zur Absicherung der Notwendigkeit
vorangehen. Bei der Blutuntersuchung ist vor allem abzuklären, ob
Tiere mit hohem und niedrigen oder gar keinen Antikörpertiter zur
gleichen Zeit in einem Bestand vorkommen. Solche Bestände werden als
„instabil“ bezeichnet und müssen als besonders gefährdet und
zugleich impfwürdig angesehen werden. Um Impflücken zu vermeiden In
PMWS Betrieben kann zur Sicherstellung eines belastungsfähigen
Antikörperschutzes der Zuchtsauen auch eine Parvoimpfung der
Zuchtsauen in der späteren Trächtigkeitsphase überlegt werden und
größtmöglichen Schutz zu bieten müssen Impfprogramme konsequent
durchgeführt werden.
Wird
beispielsweise in einem Bestand eine Muttertierschutzimpfung gegen
Colidurchfall und gegen Schnüffelkrankheit durchgeführt, so soll die
Verabreichung, um nicht wiederholten Stress zu verursachen, zum
gleichen Zeitpunkt an unterschiedlichen Ínjektionstellen erfolgen.
Dabei können auch mehrere Impfungen ohne Wirksamkeitsverlust oder
wesentliche Nebenwirkungen verabreicht werden.
Zur Vermeidung
einer Krankheitsübertragung innerhalb eines Bestandes von Tier zu
Tier ist regelmäßig die Nadel zu wechseln. Moderne CO2 -
betriebene nadellose Injektoren, die wir gerade im Praxistest haben,
werden diesen Aufwand in naher Zukunft überflüssig machen.
In regelmäßigen
Abständen, jedoch spätestens alle 4 Monate ist durch serologische
Antikörperuntersuchungen der Impferfolg zu kontrollieren. Solche
Seroprofile geben eine gute Übersicht über den Schutz einer
Sauenherde.
Verfasser:
Dr. Wolfgang
Schafzahl, Leiter der Tierklinik St.Veit
Fachtierarzt
f. Ernährung und Diätetik
Fachtierarzt f. Schweine
Wagendorf 120
A-8423 St.Veit
Tel 03453 /4190
Fax 03453 /4190 22
wolfgang.schafzahl@styriavet.at
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