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Richtige Fütterung macht Mastschweine gesünder
Dr.
Wolfgang Schafzahl,
Fachtierarzt f. Ernährung und Diätetik
Fachtierarzt f. Schweine
Einleitung
Die
europäische Schweinemast befindet sich mitten in einem dynamischen
Veränderungsprozess, der auch uns österreichische Schweinemäster
ständig mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert. Aus den nordeuropäischen
Ländern kommen neue Verbrauchererwartungen hinsichtlich Tiergerechtigkeit,
Rückstandssicherheit und durchgängiger Transparenz im
gesamten Produktionsablauf, die, obwohl sich die südeuropäischen
Schweineproduktionsländer noch dagegenstellen, bald in verbindliche
EU-Richtlinien Eingang finden werden. Beispiele hierfür sind
neben dem vollkommenen Bann der antibiotischen Leistungsförderer,
das Verbot der Mast auf Vollspaltensystemen und ein umweltverträglicher
Tierbesatz. Die Erfüllung all dieser Qualitätsansprüche
wird dem Schweinemäster auf längere Sicht keinen höheren
Erlös für sein Mastschwein liefern, aber er wird auf dem
überfüllten globalen Makt seinen Marktanteil halten können
und andere Produzenten werden verlieren - ganz nach dem Sinnspruch
"Das Bessere ist der Feind des Guten".
Vollkostenverteilung
Schweinemast

Diese
Aussichten müssen uns anspornen, Mastsysteme praxisgerecht
zu entwickeln und zu optimieren, die diese Ansprüche erfüllen,
und zugleich den Ertrag der Schweinemast verbessern. Eine Ertragsverbesserung
bei gleichem Produktpreis kann nur durch Produktivitätssteigerung
und/oder Kostensenkung erreicht werden.
Die
Futterkosten sind neben den Ferkelkosten der zweitgrößte
Kostenfaktor (Grafik 1) und können wesentlich vom Mäster
beeinflußt werden.
| Ansatzpunkte
für den Mäster |
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Rohstoffqualität |
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Eiweißqualität |
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Mineralsstoffmischung |
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Rezepturgestaltung |
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Fütterungssysteme |
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Fütterungshygiene |
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Futterzuteilung |
Grundfutterqualität
Die
Qualität der Grundfuttermittel (CCM, Trockengetreide, ...)
ist mit Abstand die wichtigste und die am schwierigsten zu beherrschende
Einflußgröße in der gesamten Fütterung.

Allein
die massive Kontamination durch Mykotoxine (Vomitoxin, Zearalenon,
...) (Grafik 2) führt durch die Schwächung des Abwehrsystems
der Mastschweine zu einer erhöhten Anfälligkeit auf verschiedene
Krankheitserreger, die zu Husten und durch die Schwächung des
Immunsystems im Darmtrakt zu chronischen Durchfällen (PIA,
Brachyspiradysenterie,..) führen. Häufig führen in
diesen Fällen antibiotische Behandlungsmaßnahmen nicht
zum bleibenden Erfolg, weil die klinischen Symptome (Durchfall)
bald nach dem Absetzen des Medikamentes wiederkehren. Bakterien,
Hefen und Schimmelpilze, deren Wachstum durch Kornkäferbefall
begünstigt wird können ebenfalls Erkrankungen (z.B. Aufblähen,
...) auslösen.
Eiweißqualität
Einer
ständigen Qualitätskontrolle gehören auch die Eiweißfuttermittel
(Sojaextraktionsschrot, ...) unterzogen, dabei ist neben dem Eiweißgehalt
auch der Feuchtigkeitsgehalt und das Aussehen (Farbe, ...) zu beurteilen.
Eine falsche Hitzebehandlung (Toasten) beim Sojaextraktionsschrot
kann seine Wertigkeit negativ beeinflussen.
Mineralstoffmischungen
Besonders
wertbestimmende Bestandteile in einer Mineralstoffmischung für
Mastschweine sind die Gehalte an Phosphor, Lysin, Methionin, Threonin
und Vitamin E. Die Kosten für Laboruntersuchungen zur Kontrolle
dieser Bestandteile liegen in einer Größenordnung von
mehreren Tausend Schillingen und sind für den einzelnen Landwirt
nicht laufend finanzierbar. Deshalb organisiert die Erzeugergemeinschaft
Styriabrid Gemeinschaftseinkäufe bei Mineralstoffmischungen.
Dabei wird neben einer aus Maisrationen wissenschaftlich optimierten
Mischungsgestaltung auch eine laufende Qualitätskontrolle durchgeführt.
Rezepturgestaltung
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Grafik
3 Liebig´sches Fass limitierende Aminösaüren
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Das
genetisch festgelegte Muskelfleischansatzvermögen beim
Mastschwein erfordert ein bestimmtes Verhältnis der begrenzten
Aminosäuren (Lysin, Methionin, Cystin, Threonin, Thryptophan,
...) zueinander. Ein Futterprotein in dem alle Aminosäuren
in gleicher weise limitierend wirken nennt man "Ideales
Protein". Diese Frage ist deshalb von Bedeutung, weil heute
die Möglichkeit des Einsatzes mehrerer synthetischer Aminosäuren
(Lysin, Methionin und Threonin) besteht. Dadurch können
alternative Eiweißfuttermittel wie Raps-, oder Sonnenblumenschrot,
die oft einzelne Aminosäuren im Mangel haben in Rezepturen
eingebaut werden. Die Zulage synthetischer Aminosäuren
ermöglicht ein Absenken der Eiweißfuttermittel ohne
daß Tageszunahmen oder Magerfleischanteile beeinträchtigt
werden. |
Es
hat aber keinen Sinn einzelne Aminosäuren besonders zu erhöhen,
ohne die nächstbegrenzenden ebenfalls mit anzuheben. Limitierende
Aminosäuren kann man sich wie die Dauben eines Fasses vorstellen,
wobei der Inhalt des Fasses mit der kürzesten Daube festgelegt
wird-Liebig´sches Fass (Grafik 3). Der Einsatz von Mineralstoffmischungen
mit 6 - 8 % Lysin ohne die Zugabe aller anderen limitierenden Aminosäuren
sind ein Beispiel für diese Art falscher Rezepturgestaltung,
die nicht nur teuer ist, sondern sowohl der Tiergesundheit als auch
der Umwelt schadet.
Fütterungssysteme
Die
Baukosten haben entscheidenden Einfluss auf den Ertrag der Schweinemast,
aus diesem Grund ist auch die Wahl zwischen einem Flüssigfütterungssystem
und einer Trockenfütterung eventuell mit Rohrbreiautomaten
anzusprechen. Die Flüssigfütterung hat vor allem in Betrieben
ihre Berechtigung wo ein billiges Angebot an Speiseresten oder Abfällen
oder Nachprodukten aus der Lebensmittelindustrie (Molke, ...) zur
Verfügung steht. Betriebe, die nur Mais oder Getreide verfüttern,
werden zunehmend automatisierte Trockenfütterungssysteme einbauen,
die wesentlich billiger in Anschaffung und Betrieb sind. Auch in
Flüssigfütterungssystemen müssen Zusatztränken
eingebaut sein, um optimale Leistungen zu erzielen.
Fütterungshygiene
Schwachstellen
in der Fütterungshygiene stellen neben den Anmischbehältern
die Tröge und die Abläufe der Flüssigfütterungsanlagen
dar. Anmischbehälter oder Auslagerungsbehälter bei Flüssigfütterungen
sind regelmäßig zu reinigen. Wenn sich auf der Behälterwand
ein Biofilm (dünne Schleimschicht aus Bakterien, Hefen und
Pilzen) bildet, kann dieser einfach durch mehrmaliges Absprühen
des Behälters mit 1 % Ameisensäure nach der Mahlzeit beseitigt
werden, bevor die Futteraufnahme zurückgeht oder Durchfälle
und plötzliche Todesfälle auftreten.
Futterzuteilung
Alle
gängigen automatischen Fütterungen teilen die Futtermenge
nach dem Energiegehalt entsprechend einer Futterkurve zu. Um einerseits
das Wachstumsvermögen der Schweine voll auszunutzen und andererseits
Gesundheit der Tiere, Umwelt und Geldbeutel des Mästers zu
schonen, ist die Phasenfütterung einzusetzen. Da der Eiweiß-
und Mineralstoffbedarf in der Anfangsmast höher ist, werden
abhängig vom Gewicht der Mastschweine 2 - 3 im Eiweiß-
und Mineralstoffgehalt unterschiedliche Futtersorten eingesetzt.
Ansonsten müssen überschüssige Aminosäuren und
Energieaufwand in der Leber abgebaut, in Harnstoff umgewandelt und
mit dem Urin ausgeschieden werden. Bei der Phasenfütterung
bleibt diese Energie für anabole Prozesse erhalten und durch
eine verringerte Stickstoffausscheidung wird die Umwelt geschont
und die Stalluft verbessert.
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